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Käfigeier im Supermarkt: Warum sie trotz Versprechen weiter verkauft werden

Frau wählt Eier im Supermarkt aus, trägt weiße Tasche mit frischem Gemüse, steht zwischen Regalen.
In diesem Artikel
  1. Gebrochene Versprechen? Das zeigt die neue Untersuchung
  2. Von 51 auf 14 Prozent: Der langsame Ausstieg aus dem Käfig
  3. Supermärkte unter Druck: Tierwohl und die Preisfrage
  4. Frankreich, Polen, kein Ukraine-Ei: Die Herkunft der Käfigeier
  5. Käfigeier im Supermarkt zuverlässig erkennen
  6. Der blinde Fleck: Verarbeitete Eier in Kuchen, Pasta und Fertiggerichten
  7. Streit um Zahlen: Handel gegen Tierschützer
  8. Europa erhöht den Druck: End the Cage Age und neue Gesetze
  9. Was Käfighaltung in der Praxis bedeutet
  10. Praktische Strategien für Verbraucherinnen und Verbraucher
  11. Risiken und Chancen für Handel und Landwirtschaft

Doch hinter den Eierkartons zeigt sich eine deutlich komplexere Wirklichkeit.

Viele Supermärkte werben seit Jahren mit Tierwohl und verantwortungsbewusstem Einkauf. Ein aktueller Blick in die Regale zeichnet jedoch ein anderes Bild: Trotz weitreichender Ankündigungen zum Ausstieg aus der Käfighaltung liegen weiterhin zahlreiche Eier von Hennen im Einkaufskorb, die auf engstem Raum in Käfigen leben.

Gebrochene Versprechen? Das zeigt die neue Untersuchung

Im Januar 2026 besuchten die Tierschutzorganisation Anima und das Datenkollektiv Data for Good 386 französische Supermärkte und Hypermärkte. Sie wollten überprüfen, ob die großen Handelsketten ihre Zusage erfüllen, keine Käfigeier mehr anzubieten.

Das Ergebnis: In 73 Prozent der untersuchten Filialen lag mindestens eine Packung Eier aus Käfighaltung im Regal.

Der Anteil von Supermärkten mit Käfigeiern bleibt damit überraschend hoch. Nahezu alle großen Ketten hatten sich bereits vor Jahren dazu verpflichtet, ab Anfang 2026 vollständig auf Eier aus Käfighaltung zu verzichten – auch bei ihren Eigenmarken.

Die Erhebung macht allerdings deutlich, dass die Lage je nach Handelskette sehr unterschiedlich ist:

  • Nur etwa 3,6 % der Monoprix-Filialen hatten noch Käfigeier im Sortiment.
  • Bei Carrefour und E.Leclerc fanden sich in mehr als 80 % der Märkte Käfigeier.
  • Système U, Auchan und Lidl lagen sogar über der Marke von 90 %.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher ergibt sich daraus ein widersprüchliches Bild. Wer die Werbekampagnen kennt, dürfte andere Werte erwarten. Die Untersuchung verdeutlicht, wie weit Ankündigungen und die Realität im Verkauf weiterhin auseinanderliegen.

Von 51 auf 14 Prozent: Der langsame Ausstieg aus dem Käfig

Ungeachtet der Kritik hat sich der Markt in den vergangenen Jahren merklich verändert. Das französische Forschungsinstitut Itavi gibt den Anteil der Käfigeier im Lebensmitteleinzelhandel wie folgt an:

Jahr Anteil der Käfigeier im Handel
2016 51 %
2025 14 %

Mit 14 Prozent wurde ein historischer Tiefstand erreicht, doch die Käfighaltung ist damit keineswegs verschwunden. Besonders die Zahl der Stallplätze zeigt, wie schleppend die Umstellung in der Tierhaltung vorangeht. Nach Angaben der Branche fiel der Anteil der Hennen in Käfigen von rund 67 % des Bestands im Jahr 2016 auf heute etwa ein Viertel.

Die Branche strebt ab 2030 eine Produktion von rund 90 % ohne Käfige an. Bis dahin bleibt eine Übergangsphase, in der Handel, Landwirtschaft und Politik Entscheidungen häufig unter erheblichem Zeitdruck treffen müssen.

Supermärkte unter Druck: Tierwohl und die Preisfrage

Weshalb liegen noch immer Käfigeier in den Regalen, obwohl die meisten Ketten den Ausstieg angekündigt haben? Mehrere Handelsunternehmen verweisen auf Nachfrage bei der Lieferkette auf Engpässe. Die Nachfrage nach Eiern aus Bodenhaltung, Freilandhaltung und Biohaltung sei schneller gestiegen als die verfügbaren Produktionskapazitäten.

Die Produktion ohne Käfig kommt nicht in allen Regionen im gleichen Tempo voran, während der Eierkonsum stabil hoch bleibt.

Branchenangaben zufolge betrug der Pro-Kopf-Verbrauch in Frankreich 2025 rund 237 Eier pro Jahr. Dabei sind sowohl frische Schaleneier als auch verarbeitete Eier in Lebensmitteln berücksichtigt.

Damit befinden sich Supermärkte zwischen zwei gegensätzlichen Erwartungen: Einerseits wächst der gesellschaftliche Druck zugunsten eines besseren Tierwohls. Andererseits wünschen viele Kundinnen und Kunden niedrige Preise, insbesondere weil Lebensmittel insgesamt teurer geworden sind. Käfigeier sind im Regal meist weiterhin die günstigste Wahl.

Frankreich, Polen, kein Ukraine-Ei: Die Herkunft der Käfigeier

Ein aufschlussreiches Ergebnis der Untersuchung betrifft die Herkunft der Käfigeier. In 95 % der Fälle kamen die vorgefundenen Käfigeier aus französischer Produktion. Eine große Kette bildet hierbei die Ausnahme: Lidl verkaufte regelmäßig Käfigeier aus dem Ausland, insbesondere aus Polen.

Auch bei Eiern spielt die Debatte über günstige Importe aus Osteuropa eine Rolle. Zugleich heben die Autorinnen und Autoren der Untersuchung hervor, dass sie keine Eier aus der Ukraine entdeckt haben. Wegen des Ukraine-Kriegs und der Debatte über Agrarimporte ist dieser Punkt besonders sensibel.

Käfigeier im Supermarkt zuverlässig erkennen

Wer Käfighaltung vermeiden will, muss Werbeaussagen nicht vertrauen. Der verlässlichste Hinweis befindet sich direkt auf dem Ei und nicht ausschließlich auf der Verpackung. Jedes Ei trägt einen Stempel mit einer Ziffer von 0 bis 3.

Der Code auf der Schale und seine Bedeutung

  • 0 – Bio: Die Hennen werden nach ökologischen Vorgaben gehalten, haben Zugang ins Freie und bekommen Bio-Futter.
  • 1 – Freilandhaltung: Die Hennen können ins Freie, während die Stallplätze stärker begrenzt sind als in der Biohaltung.
  • 2 – Bodenhaltung: Die Tiere bewegen sich frei im Stall, haben jedoch keinen Zugang nach draußen.
  • 3 – Käfighaltung: Die Hennen leben in Käfigen oder Kleingruppensystemen.

Wer Code 3 meidet, vermeidet Käfighaltung – unabhängig vom Marketing auf der Verpackung.

Dieser Code ist innerhalb der EU einheitlich geregelt. Er bietet deshalb auch beim Einkauf im Urlaub oder in Grenzregionen eine Orientierung. Praktisch geht es ganz einfach: Packung öffnen, ein Ei herausnehmen, den Stempel prüfen und bei Bedarf zu einer anderen Packung greifen.

Der blinde Fleck: Verarbeitete Eier in Kuchen, Pasta und Fertiggerichten

Ein Aspekt wird im Alltag leicht übersehen: Rund 35 % der in Frankreich verzehrten Eier werden nicht als Schaleneier gekauft, sondern als sogenannte „Ovoprodukte“ in anderen Lebensmitteln verarbeitet. Dazu gehören beispielsweise:

  • industriell hergestellte Kuchen und Kekse
  • frische und getrocknete Pasta
  • Fertiggerichte und Tiefkühlprodukte
  • Mayonnaise und bestimmte Soßen

Bei diesen Produkten lässt sich die Haltungsform oft nicht unmittelbar erkennen. In der Zutatenliste steht häufig lediglich „Ei“, „Vollei“ oder „Eipulver“. Gerade in diesem Bereich werden weiterhin viele Käfigeier eingesetzt, weil sie für die Industrie preiswerter sind.

Wer den eigenen Konsum tierfreundlicher gestalten möchte, kann hier ansetzen: weniger stark verarbeitete Lebensmittel kaufen, öfter selbst backen oder Marken auswählen, die den Verzicht auf Käfigeier ausdrücklich und transparent kennzeichnen.

Streit um Zahlen: Handel gegen Tierschützer

Der Konflikt spielt sich nicht nur am Eierregal ab. Einige Handelsketten bezweifeln die Methodik der Untersuchung offen. Carrefour weist die Resultate beispielsweise klar zurück und kritisiert die Auswertung von Anima.

Handelsketten und Tierschutzorganisationen liefern sich einen Streit um Zählweisen, Stichproben und Definitionen – während die Kundschaft vor vollen Regalen steht.

Parallel dazu finden weitere Kontrollen statt: Die französische Verbraucherschutzbehörde DGCCRF kontrolliert, ob Kennzeichnungen korrekt sind und ob Produktversprechen mit der tatsächlichen Situation übereinstimmen. Außerdem gilt die nationale Gesetzgebung zum sogenannten EGAlim-Gesetz, das mehr Fairness im Agrarsektor schaffen soll.

Europa erhöht den Druck: End the Cage Age und neue Gesetze

Die Diskussion über Käfigeier geht längst über Frankreich hinaus. Auf EU-Ebene erzeugt die Bürgerinitiative „End the Cage Age“ politischen Druck. Sie verlangt ein Ende der Käfighaltung für zahlreiche Nutztiere in ganz Europa.

Die EU-Kommission arbeitet an Gesetzesvorschlägen, die unter anderem die Haltung von Legehennen betreffen. Je nachdem, wie streng die künftigen Vorgaben ausfallen, müssen Supermärkte und Produzenten ihre Systeme in den nächsten Jahren umfassend umbauen. Viele Betriebe stehen vor Investitionen, die sie über Jahrzehnte prägen werden.

Was Käfighaltung in der Praxis bedeutet

„Käfighaltung“ klingt abstrakt, beschreibt für Millionen Tiere jedoch einen äußerst körperlichen Alltag. Die Hennen leben in engen Metallkonstruktionen und verfügen oft nur über wenige Quadratdezimeter Platz je Tier. Modernisierte „Kleingruppenkäfige“ bieten zwar Sitzstangen und Legenester, doch der Bewegungsraum bleibt begrenzt.

Der Wechsel zur Boden- oder Freilandhaltung beantwortet nicht jede Tierwohlfrage, kann bestimmte Belastungen aber deutlich verringern: mehr Bewegungsmöglichkeiten, mehr Rückzugsorte und teilweise Zugang ins Freie. Gleichzeitig nehmen Krankheitsrisiken und Produktionskosten zu, was die Planung von Ställen komplizierter macht.

Praktische Strategien für Verbraucherinnen und Verbraucher

Wer im Alltag konsequent auf Käfigeier verzichten will, kann in drei Schritten handeln:

  • Im Supermarkt stets den Code auf der Schale kontrollieren und Packungen mit „3“ konsequent nicht kaufen.
  • Bei verarbeiteten Produkten Marken wählen, die eindeutig „ohne Käfigeier“ oder „Eier aus Freiland/Bio“ angeben.
  • Den gesamten Eikonsum hinterfragen: Ist täglich Ei notwendig, oder genügt es seltener und dafür in besserer Qualität?

Ein realistisches Beispiel: Wer bislang vor allem günstige Kuchen, Fertigpizza und Nudeln vom Discounter kauft, verzehrt häufig indirekt Käfigeier – selbst wenn im Eierregal ausschließlich Produkte mit Code 0 oder 1 im Korb landen. Bereits kleine Veränderungen beim Einkauf beeinflussen deshalb die Nachfrage entlang der Lieferkette.

Risiken und Chancen für Handel und Landwirtschaft

Für Supermärkte bleibt das Thema sensibel. Ein zu früher vollständiger Ausstieg aus Käfigeiern kann leere Regale oder deutliche Preissteigerungen verursachen. Wer zu spät umsteuert, riskiert dagegen Imageverluste bei einer wachsenden Gruppe bewusst einkaufender Kundinnen und Kunden.

Für Landwirtinnen und Landwirte ist die Umstellung mit hohen Ausgaben verbunden. Neue Ställe, eine andere Fütterung und strengere Kontrollen rechnen sich nur, wenn die Betriebe über Jahre einen angemessenen Preis erzielen. Gelangen Importprodukte aus Ländern mit niedrigeren Standards zu günstig auf den Markt, gerät dieses Modell unter Druck.

Gleichzeitig entstehen neue Möglichkeiten: Hochwertigere Eier, regionale Marken und transparente Haltungsformen lassen sich besser vermarkten. Betriebe, die frühzeitig auf Freiland- oder Biohaltung umstellen und zuverlässig liefern, können langfristige Verträge mit Handelsketten schließen und sich stärker von kurzfristigen Preisschwankungen lösen.

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Matthias Nordhoff

Matthias Nordhoff ist Gastronomiefachberater mit langjähriger Erfahrung in der deutschen Imbiss- und Streetfood-Branche. Für Imbiss Nordmann beschäftigt er sich mit regionalen Rezepten, nachhaltigem Wareneinkauf und der Entwicklung moderner Klassiker aus der norddeutschen Küche.

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