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Studie aus Plymouth: Nanoplastik gelangt in Radieschen

Frauenforscherin in Laborjacke untersucht Rettich in Gewächshaus mit Mikroskop auf Holztisch.
In diesem Artikel
  1. Wie Nanoplastik in Radieschen gelangt
  2. Die Wurzelbarriere von Pflanzen und ihre Grenzen
  3. Plastik überall: vom Ozean bis ins Salatbeet
  4. Welche Folgen kann Nanoplastik für die Gesundheit haben?
  5. Wie Verbraucherinnen und Verbraucher reagieren können
  6. Warum Nanoplastik in Lebensmitteln alle betrifft
  7. Was Nanoplastik eigentlich ist

Gemüse steht für eine gesunde Ernährung – doch eine neue Studie belegt, dass sogar Radieschen kleinste Plastikpartikel in ihr Inneres aufnehmen können.

Was bislang wie eine diffuse Sorge um die Umwelt wirkte, betrifft damit unmittelbar unseren Alltag: Plastik findet sich nicht allein in Meeren, Trinkwasser und der Luft, sondern gelangt offenbar auch in essbare Pflanzenteile. Ein britisches Forschungsteam konnte dies jetzt erstmals eindeutig nachweisen und hat damit eine beunruhigende Diskussion über unsere Lebensmittel ausgelöst.

Wie Nanoplastik in Radieschen gelangt

Die Untersuchung wurde von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Plymouth durchgeführt und am 23. August 2025 in der Fachzeitschrift „Environmental Research“ veröffentlicht. Sie wollten herausfinden, ob winzige Kunststoffpartikel nicht lediglich im Boden verbleiben, sondern tatsächlich in Nutzpflanzen wandern.

Als Versuchspflanze entschieden sich die Forschenden für Radieschen. Diese zogen sie nicht in einem herkömmlichen Beet, sondern in einem hydroponischen System ohne Erde, das mit einer Nährlösung arbeitet. Dadurch ließ sich präzise steuern, welche Plastikmenge die Wurzeln umgab.

Über einen Zeitraum von fünf Tagen brachten sie die nicht essbaren Wurzelbereiche gezielt mit Nanoplastik in Kontakt. Nanoplastik ist noch deutlich kleiner als Mikroplastik und für das menschliche Auge vollständig unsichtbar.

Nanoplastik kann bis zu 100 Nanometer klein sein – das entspricht 0,0001 Millimetern. Ein menschliches Haar ist Tausende Male dicker.

Später wiesen die Forschenden genau diese Partikel in den essbaren Bereichen der Radieschen nach. Der Versuch macht deutlich: Die Teilchen bleiben nicht außerhalb der Pflanze oder im Boden zurück, sondern gelangen in das Pflanzeninnere – und letztlich auf unseren Teller.

Die Wurzelbarriere von Pflanzen und ihre Grenzen

In ihren Wurzeln verfügen Pflanzen über eine natürliche Kontrollschicht, die Caspary-Streifen-Barriere. Vereinfacht funktioniert sie wie eine Zugangskontrolle:

  • Sie steuert, welche Mineralstoffe in die Pflanze aufgenommen werden.
  • Sie hält zahlreiche Schadstoffe aus dem Boden zurück.
  • Sie bewahrt das empfindliche Pflanzeninnere.

Nach dem bisherigen Wissensstand hätten Partikel wie Kunststoff diese Barriere eigentlich nicht passieren dürfen. Die aktuelle Studie widerlegt diese Annahme zumindest im Fall von Nanoplastik.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden Anzeichen dafür, dass die winzigen Partikel durch die Wurzelstrukturen wandern und sich im essbaren Gewebe ansammeln. Bemerkenswert ist vor allem die Geschwindigkeit: Spätestens nach fünf Tagen war die essbare Knolle bereits messbar belastet.

Die Studie zeigt erstmals eindeutig: Die Schutzbarriere in Wurzeln stoppt Nanoplastik nicht zuverlässig – der Weg in das Innere des Gemüses ist offen.

Plastik überall: vom Ozean bis ins Salatbeet

Dass Kunststoff inzwischen den gesamten Planeten erreicht, ist seit Jahren bekannt. Partikel werden in Luftproben, Eisbohrkernen und Regen ebenso gefunden wie in Fischen, Muscheln und Trinkwasser. Die Arbeit aus Plymouth ergänzt dieses Bild um einen wichtigen Aspekt: Selbst klassische „Gesund-Lebensmittel“ wie Gemüse sind nicht ausgenommen.

Nach Einschätzung der Forschenden sind Radieschen höchstwahrscheinlich kein Sonderfall. Zahlreiche andere Gemüsearten weisen ähnliche Wurzelstrukturen und vergleichbare Barrieren auf. Daher liegt für sie der Schluss nahe, dass Kunststoff auch in weitere Pflanzen gelangen kann, wenn er im Boden oder in der Nährlösung vorhanden ist.

Besonders im intensiven Gemüseanbau gibt es mehrere Wege, über die Plastik eingetragen wird:

  • Folienabdeckungen und Bewässerungsschläuche, die im Laufe der Zeit zerfallen
  • Kompost und Klärschlamm, die Kunststoffrückstände enthalten können
  • Regen und Wind, die Mikro- und Nanoplastik aus der Umgebung herantragen

Die zunächst abstrakte Idee von „Plastik im Boden“ wird dadurch zu einem konkreten Szenario: Selbst bei bewusstem Griff zu frischem Gemüse essen wir die Partikel möglicherweise mit.

Welche Folgen kann Nanoplastik für die Gesundheit haben?

Die wohl brisanteste Frage ist weiterhin nicht eindeutig beantwortet: Welche Auswirkungen haben Nanoplastik-Partikel im menschlichen Körper? Genau diesen Punkt untersuchte die Studie aus Plymouth nicht. Sie belegt „nur“, dass die Teilchen im Gemüse vorkommen und somit auf den Tellern der Verbraucherinnen und Verbraucher landen können.

Andere Forschungsarbeiten deuten darauf hin, dass Nanoplastik theoretisch Zellen durchdringen, sich in Gewebe einlagern und an seiner Oberfläche weitere Schadstoffe binden könnte. Verlässliche Schwellen- oder Grenzwerte gibt es bislang jedoch nicht.

Frage Aktueller Stand
Wie viel Plastik nehmen wir täglich über Nahrung auf? Nur grobe Schätzungen, große Unsicherheiten
Gibt es direkte Beweise für Gesundheitsschäden beim Menschen? Hinweise aus Tierversuchen, wenig Daten beim Menschen
Gibt es Grenzwerte oder gesetzliche Vorgaben? Bislang keine spezifischen Regeln für Nanoplastik in Lebensmitteln

Deshalb verlangen Forschende weitere Untersuchungen, um langfristige Folgen besser einordnen zu können. Erst wenn geklärt ist, ob Nanoplastik krank machen kann und ab welcher Menge dies geschieht, lassen sich politische Maßnahmen oder verbindliche Grenzwerte ableiten.

Wie Verbraucherinnen und Verbraucher reagieren können

Wer den persönlichen Kontakt mit Plastik verringern möchte, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Nanoplastik kann weder abgewaschen noch abgeschält werden. Es genügt also nicht, Gemüse einfach besonders sorgfältig zu reinigen.

Dennoch gibt es einige Möglichkeiten, die gesamte Belastung im Alltag zumindest zu reduzieren:

  • Weniger Lebensmittel in Einwegverpackungen kaufen
  • Wasser aus Glasflaschen oder Leitungswasser statt aus Plastikflaschen trinken
  • Beim Kochen Kunststoffutensilien vermeiden, insbesondere bei hohen Temperaturen
  • Staub in Innenräumen regelmäßig entfernen, weil sich dort Mikroplastik ansammelt
  • Produkte vermeiden, die gezielt Kunststoffpartikel enthalten, etwa bestimmte Peelings

Ob Biogemüse grundsätzlich weniger belastet ist, lässt sich derzeit nicht zuverlässig beurteilen. Zwar gelten im ökologischen Anbau beispielsweise strengere Vorgaben für Klärschlamm als Dünger, doch Kunststoffpartikel aus Regen und Luft gelangen auch auf Bioflächen.

Warum Nanoplastik in Lebensmitteln alle betrifft

Die Studie zeigt eine unbequeme Realität: Auch Menschen, die bewusst einkaufen, viel Gemüse essen und Plastik im Alltag meiden, können dem Material nicht vollständig entgehen. Es bewegt sich in einem globalen Kreislauf von Herstellung über Nutzung bis zur Entsorgung – und führt dabei auch durch unsere Nahrung.

Für Politik und Landwirtschaft ergibt sich daraus eine doppelte Aufgabe. Zum einen muss neuer Plastikeintrag in Böden verhindert werden, etwa durch haltbarere Materialien im Anbau oder strengere Vorschriften für Klärschlamm. Zum anderen braucht es mehr Forschung dazu, wie sich bereits vorhandene Belastungen senken lassen.

Auch für die Wissenschaft eröffnet sich ein großes Forschungsfeld: Wie reagieren unterschiedliche Pflanzenarten auf Nanoplastik? Speichern bestimmte Gemüsearten mehr Partikel als andere? Welche Bedeutung haben Bodenbeschaffenheit, Bewässerung und Düngung? Antworten darauf könnten helfen, Anbausysteme besser zu gestalten und Risiken zu verringern.

Was Nanoplastik eigentlich ist

Der Begriff „Nanoplastik“ klingt technisch, beschreibt im Wesentlichen aber einen einfachen Vorgang: Kunststoff zerfällt. Aus einer Tüte entsteht zunächst Mikroplastik, das mit der Zeit weiter zu Nanoplastik zerbricht. UV-Strahlung, Reibung, Hitze und Kälte beschleunigen diesen Prozess.

Diese extrem kleinen Partikel besitzen besondere Eigenschaften:

  • Im Verhältnis zu ihrer Masse verfügen sie über eine große Oberfläche.
  • Sie können andere Substanzen an sich binden, beispielsweise Schwermetalle oder Weichmacher.
  • Im Körper verhalten sie sich eher wie Staub oder Feinstaub als wie „Fremdkörper“.

Genau das macht sie medizinisch interessant – und möglicherweise problematisch. Denn was leicht in Zellen eindringen kann, lässt sich nur schwer wieder daraus entfernen.

Die Untersuchung aus Plymouth zeigt nun, dass dieser Vorgang nicht erst im Verdauungstrakt beginnt, sondern bereits im Boden und im Pflanzengewebe. Damit verschiebt sich die Frage: nicht mehr ob, sondern wie viel Plastik wir täglich mitessen – und welche langfristigen Folgen daraus entstehen.

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Matthias Nordhoff

Matthias Nordhoff ist Gastronomiefachberater mit langjähriger Erfahrung in der deutschen Imbiss- und Streetfood-Branche. Für Imbiss Nordmann beschäftigt er sich mit regionalen Rezepten, nachhaltigem Wareneinkauf und der Entwicklung moderner Klassiker aus der norddeutschen Küche.

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