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Koffeinbeutel: Der neue Social-Media-Koffeintrend und seine Risiken

Jugendlicher nimmt Kapsel mit Getränk, Frau im Hintergrund wirkt besorgt, beide in moderner Küche.
In diesem Artikel
  1. Kleine Beutel mit hoher Wirkung
  2. Wer besonders gefährdet ist
  3. Koffeinbeutel in einer regulatorischen Grauzone

In den sozialen Medien zeichnet sich ein neuer Koffeintrend ab – ganz ohne Wasserkocher. Koffeinbeutel versprechen einen schnellen, diskreten Energieschub, ohne dass man Kaffee zubereiten oder einen Energy-Drink öffnen muss.

Fachleute warnen jedoch: Auch wenn sie wie ein harmloser Muntermacher wirken, bergen sie reale Risiken – insbesondere für Jugendliche und Menschen mit Vorerkrankungen.

Koffeinbeutel ähneln in Aussehen und Anwendung stark Nikotinbeuteln oder Snus. Jedes kleine, kissenförmige Päckchen enthält fein gemahlenes Koffein, Aromastoffe und teils Kräuter oder Vitamine.

Wird ein Beutel unter die Lippe gelegt, gelangt das Koffein über das Zahnfleisch direkt in den Blutkreislauf und umgeht dabei das Verdauungssystem. Dadurch setzt der Energieschub deutlich schneller ein als nach einer Tasse Kaffee oder Tee.

Koffein macht wacher, indem es Adenosin blockiert – einen Botenstoff im Gehirn, der Müdigkeit auslöst. Seit Langem nutzen Menschen Kaffee, Tee und Energy-Drinks, um wach zu bleiben, sich besser zu konzentrieren und ihre Leistung zu steigern. Beutel bieten dafür lediglich eine freihändige und auslaufsichere Abkürzung.

Manche Fitnessstudiobesucher und Schichtarbeitende schätzen die einfache Anwendung. Sportler wiederum nutzen die Fähigkeit von Koffein, die Ausdauer zu verbessern, weil das Gehirn Ermüdung und Schmerzen weniger stark wahrnimmt.

Auch für Jugendliche ist das unauffällige Design ein Verkaufsargument: Sie könnten die Beutel verwenden, um im Unterricht oder während Prüfungen wach zu bleiben. Das bereitet Fachleuten Sorgen. Einige befürchten, dass Koffeinbeutel den Einstieg in Nikotin oder andere Stimulanzien erleichtern könnten. Manche junge Nutzer kombinieren sie sogar mit Nikotinbeuteln und verdoppeln damit die Stimulanzienbelastung.

TikTok hat die Popularität zusätzlich angeheizt: Influencer präsentieren die Beutel in Klassenräumen, Fitnessstudios und während Gaming-Sessions.

Kleine Beutel mit hoher Wirkung

Je nach Marke liefert jeder Beutel 25mg bis mehr als 200mg Koffein. Zum Vergleich: Eine typische Tasse Instantkaffee enthält etwa 100mg, eine Tasse Tee 75mg und eine Dose Cola rund 40mg. Einige Beutel liefern damit auf einmal etwa so viel Koffein wie zwei Tassen Kaffee.

Doch ab welcher Menge wird es zu viel? Für gesunde Erwachsene liegt die empfohlene Tageshöchstmenge bei rund 400mg. Schwangeren wird geraten, unter 200mg täglich zu bleiben, da höhere Mengen das Risiko für Komplikationen wie ein niedriges Geburtsgewicht oder einen Schwangerschaftsverlust erhöhen können.

Zu sicheren Mengen für Kinder gibt es nur wenige Daten. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit empfiehlt jedoch eine niedrigere Grenze von 3mg Koffein pro Kilogramm Körpergewicht – je nach Alter und Körpergröße ungefähr 45–150mg pro Tag. Kleinere Körper und noch nicht vollständig entwickelte Systeme machen Kinder empfindlicher gegenüber den Wirkungen von Koffein.

Ein einzelner Beutel mit 200mg Koffein kann einen Jugendlichen daher problemlos weit über diesen Grenzwert bringen. Da der Wirkstoff so rasch aufgenommen wird, können Nebenwirkungen wie Nervosität, Angstzustände, Schlaflosigkeit und Herzklopfen zudem stärker ausfallen.

Koffein kann zwar kurzfristig einen Kick geben, doch es kann auch den Schlaf stören, einen Kreislauf aus Erschöpfung fördern und zu Abhängigkeit führen.

Wer besonders gefährdet ist

Koffein in moderaten Mengen gilt für die meisten Erwachsenen grundsätzlich als sicher, doch bestimmte Gruppen sind anfälliger. Menschen mit psychischen Erkrankungen können besonders empfindlich reagieren.

Indem Koffein Adenosin hemmt und die Dopaminaktivität erhöht, kann es Angstzustände oder Psychosen verschlimmern. Bei Erkrankungen wie Schizophrenie oder bipolarer Störung kann es zudem das Risiko eines Rückfalls erhöhen.

Außerdem kann Koffein andere abhängig machende Substanzen als lohnender erscheinen lassen und Menschen damit möglicherweise eher in Richtung einer Substanzgebrauchsstörung lenken. Die Forschung reicht bislang nicht aus, um für diese Gruppen eine sichere Höchstmenge festzulegen.

Auch Menschen mit Herzproblemen sollten vorsichtig sein. Koffein erhöht vorübergehend Herzfrequenz und Blutdruck und belastet dadurch das Herz zusätzlich. Manche Menschen verspüren Herzklopfen, und Sportler, die hohe Koffeindosen mit intensivem Training kombinieren, könnten einem erhöhten Risiko für Herzprobleme ausgesetzt sein.

Schwere Fälle sind selten, doch es gibt dokumentierte Todesfälle im Zusammenhang mit Koffein. Meist betrafen sie Nahrungsergänzungsmittel oder hoch konzentrierte Produkte. Sie zeigen, wie stark dieses alltägliche Stimulans wirken kann.

Koffeinbeutel in einer regulatorischen Grauzone

Im Vereinigten Königreich befinden sich Koffeinbeutel in einer rechtlichen Grauzone. Sie gelten weder als Lebensmittel noch als Arzneimittel und unterliegen deshalb nicht den üblichen Sicherheitsprüfungen und Kennzeichnungsvorschriften. Käufer können sich nicht immer sicher sein, wie viel Koffein sie tatsächlich erhalten oder welche weiteren Inhaltsstoffe beigemischt wurden.

Gesundheitsexperten fordern deutlichere Warnhinweise und Altersbeschränkungen, insbesondere weil viele Marken fruchtige Geschmacksrichtungen und auffällige Verpackungen nutzen, die jüngere Verbraucher ansprechen sollen.

Koffeinbeutel mögen modern und praktisch sein, doch ihre schnelle Aufnahme und hohe Konzentration machen es leicht, sichere Mengen zu überschreiten – besonders bei Jugendlichen. Ein gelegentlicher Beutel ist für die meisten Erwachsenen möglicherweise nicht schädlich, aber er ist kein risikofreier Ersatz für Kaffee oder Tee.

Wie bei jedem Stimulans ist Mäßigung nicht nur sinnvoll, sondern unverzichtbar.

Dipa Kamdar, Dozentin für Pharmaziepraxis, Kingston University

Dieser Artikel wird mit einer Creative-Commons-Lizenz von The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.

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Matthias Nordhoff

Matthias Nordhoff ist Gastronomiefachberater mit langjähriger Erfahrung in der deutschen Imbiss- und Streetfood-Branche. Für Imbiss Nordmann beschäftigt er sich mit regionalen Rezepten, nachhaltigem Wareneinkauf und der Entwicklung moderner Klassiker aus der norddeutschen Küche.

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