Zum Inhalt springen
Nachrichten

3.000 Legehennen aus Mory-Moncrux suchen ein neues Zuhause

Frau setzt Huhn in Holzkiste im Garten, neben Eierkarton und Hühnerstall auf Grasfläche.
In diesem Artikel
  1. Vom Legebetrieb in den Garten
  2. So funktioniert die Vermittlung in der Oise
  3. Weshalb Legehennen so früh „aussortiert“ werden
  4. Was künftige Hühnerhalter vorbereiten müssen
  5. Diese Vorteile bieten gerettete Legehennen
  6. Risiken und Herausforderungen für neue Halter
  7. Was die Aktion in Frankreich für den deutschsprachigen Raum zeigt

In einer kleinen Gemeinde im Département Oise beginnt für etwa 3.000 Hühner ein neuer Lebensabschnitt fernab des industriellen Legebetriebs. Ein Hof vor Ort vermittelt die Tiere an private Halter, anstatt sie zum Schlachthof zu schicken. Gartenbesitzer und Tierliebhaber aus der Umgebung erhalten dadurch die Möglichkeit, frische Eier zu bekommen und zugleich das Leben eines Huhns grundlegend zu verändern.

Vom Legebetrieb in den Garten

Das Modell lässt sich einfach zusammenfassen: Nach ein bis zwei Jahren gelten Hennen in industriellen Legebetrieben als „ausgedient“. Weil ihre Eierproduktion nachlässt und sie weniger Eier legen, rechnet sich die Fütterung aus betrieblicher Sicht kaum noch. Üblicherweise werden die Tiere anschließend gemeinsam zum Schlachthof gebracht.

In Mory-Moncrux setzt die Initiative genau dort an. Der Hof übernimmt diese sogenannten „ausgestallten“ Legehennen und vermittelt sie an Menschen, die ihnen ein neues Zuhause im Garten bieten möchten. Für zahlreiche Tiere ist es der erste Kontakt mit Auslauf, Tageslicht und Gras unter den Krallen.

Statt als Abfall der Eierindustrie zu enden, bekommen 3.000 Tiere eine reale Chance auf ein paar ruhige Jahre im Grünen.

Auch wenn die Hennen ihre höchste Legeleistung bereits hinter sich haben, legen sie meistens noch Eier – lediglich nicht mehr so regelmäßig. Wer ihnen ein Zuhause gibt, rettet damit ein Tier und kann bei guter Eingewöhnung zugleich frische Eier zum Frühstück erwarten.

So funktioniert die Vermittlung in der Oise

Die Vermittlungsaktion wird unmittelbar vom Hof in Mory-Moncrux organisiert. Interessierte Personen melden sich dort an, reservieren die gewünschte Zahl an Hühnern und holen sie direkt vor Ort ab. Dadurch bleiben den Tieren lange Fahrten und zusätzlicher Stress erspart.

Pro Huhn wird gewöhnlich eine geringe Schutzgebühr erhoben. Sie dient dazu, die Organisation, die Versorgung und den Transport zum Hof zu finanzieren. Die Hennen sollen ausdrücklich nicht noch einmal gewinnbringend verkauft werden; vielmehr geht es darum, die anfallenden Kosten zu tragen und möglichst viele Tiere vor der Schlachtung zu bewahren.

  • Ort: Farm in Mory-Moncrux im Département Oise
  • Anzahl der Hühner: rund 3.000 Legehennen
  • Ziel: Vermittlung an Privatpersonen mit Garten
  • Kosten: geringe Beteiligung an Logistik und Betreuung

In Frankreich finden vergleichbare Aktionen mittlerweile regelmäßig statt, häufig gemeinsam mit Tierschutzvereinen. Viele Hühnerhalter bauen kleine Ställe in ihren Gärten und erzählen, dass die Tiere nach kurzer Zeit oft zutraulich werden.

Weshalb Legehennen so früh „aussortiert“ werden

Hinter solchen Rettungsaktionen steht ein grundsätzliches Problem der modernen Geflügelwirtschaft. Legehennen werden auf eine besonders hohe Leistung gezüchtet. Während der ersten zwölf bis achtzehn Monate produzieren sie beinahe täglich ein Ei. Danach sinkt ihre Legeleistung deutlich.

In großen Betrieben wird jeder Cent genau kalkuliert. Bei Ställen mit tausenden Tieren prüfen die Betreiber die Wirtschaftlichkeit streng. Nimmt die Leistung ab, ziehen neue Junghennen ein und die älteren Tiere werden zur Schlachtung vorgesehen. Dabei geht es oft nicht um Krankheiten, sondern allein um eine Excel-Tabelle.

Die Hühner sind nicht „fertig“, sie passen nur nicht mehr ins enge Wirtschaftssystem der Eierindustrie.

Im privaten Garten gelten andere Maßstäbe. Wer nur wenige Hennen hält, ist nicht auf 300 Eier pro Tier und Jahr angewiesen. Viele Halter sind bereits zufrieden, wenn ihre Hühner an drei bis vier Tagen in der Woche Eier legen – in der übrigen Zeit leben sie einfach als gefiederte Mitbewohner im Grünen.

Was künftige Hühnerhalter vorbereiten müssen

Bevor eine ehemalige Legehenne in den Garten einzieht, sollten einige grundlegende Voraussetzungen erfüllt sein. Hühner sind zwar vergleichsweise unkompliziert, benötigen aber dennoch eine verlässliche Versorgung. Eine spontane Anschaffung ohne Vorbereitung erschwert das Zusammenleben für Menschen und Tiere.

Grundausstattung für zufriedene Hühner

  • Sicherer Auslauf: Ein abgegrenzter Gartenbereich, der vor Hunden, Füchsen und Mardern schützt.
  • Stall für die Nacht: Ein trockener, zugluftfreier Unterschlupf mit Sitzstangen und Legenestern.
  • Futter und Wasser: Körnermischung oder Hühnerfutter sowie ergänzend Küchenreste und jederzeit frisches Wasser.
  • Regelmäßige Reinigung: Kot beseitigen, Einstreu erneuern und Futter- sowie Wasserschalen reinigen.

Daneben sind rechtliche Punkte zu beachten. In vielen Gemeinden darf man Hühner im Garten halten, doch können Vorgaben gelten – etwa in Bezug auf Lärm, falls später ein Hahn hinzukommt. Auf dem Land entstehen meist weniger Schwierigkeiten; in dicht bebauten Wohnvierteln empfiehlt sich dagegen ein Blick in die örtliche Satzung oder ein Anruf beim Rathaus.

Wie aufwendig ist die Haltung geretteter Hühner?

Der tägliche Aufwand bleibt meist überschaubar: Morgens wird der Stall geöffnet, Wasser nachgefüllt und Futter verteilt, abends kommen die Tiere wieder in den Stall. Viele dieser Aufgaben sind in zehn bis fünfzehn Minuten erledigt. Mehr Zeit ist vor allem nötig, wenn ein Huhn erkrankt oder von Parasiten befallen wird.

Dafür liefern die Tiere Eier, natürlichen Dünger für das Gemüsebeet und eine Art „Gartenfernsehen“: Sie scharren, gackern, flitzen umher und nehmen Sandbäder. Gerade Kinder bauen nach Angaben vieler Halter häufig rasch eine enge Beziehung zu den Hühnern auf.

Diese Vorteile bieten gerettete Legehennen

Obwohl die Hennen aus Mory-Moncrux nicht mehr ihre maximale Leistung erbringen, bringen sie praktische Erfahrungen mit. Sie sind an Futterautomaten, Wassertränken und das Zusammenleben in einer Gruppe gewöhnt. Werden mehrere Tiere gemeinsam übernommen, sind ernsthafte Rangordnungskämpfe selten, da sich der Schwarm bereits kennt.

  • Restliche Legeleistung: Viele Hennen legen noch mehrere Jahre, wenn auch unregelmäßiger.
  • Robuste Tiere: Wer die harte erste Phase im Stall überstanden hat, ist meistens widerstandsfähig.
  • Gründliche „Gartenhelfer“: Hühner fressen Schnecken, Larven und Fallobst.
  • Weniger Lebensmittelverschwendung: Viele Küchenreste landen statt im Müll im Hühnermagen.

Natürlich gibt es auch Einschränkungen. Ehemalige Legehennen sind häufig weniger zutraulich als Küken, die von Hand aufgezogen wurden. Bei manchen Tieren sind die Folgen des Stallalltags sichtbar, etwa kahle Gefiederstellen, leicht schiefe Schnäbel oder abgenutzte Krallen. Mit ausreichend Zeit, gutem Futter und genügend Platz erholen sich viele Hühner jedoch sichtbar.

Risiken und Herausforderungen für neue Halter

Wer Tiere aus intensiver Haltung aufnimmt, sollte die Situation realistisch einschätzen. Die Hennen sind keine Küken mehr, sondern befinden sich eher in der zweiten Lebenshälfte. Krankheiten können bei ihnen schneller auftreten, und die Knochen sind durch die hohe Eierproduktion teilweise belastet.

Halter müssen damit rechnen, einzelne Tiere früher zu verlieren. Auch die Tierarztkosten können höher ausfallen, insbesondere wenn die Hühner als vollwertige Haustiere behandelt werden. Wer ausschließlich auf preiswerte Eier hofft, wird enttäuscht sein. Die Rettung ehemaliger Legehennen ist vor allem ein emotionales und ethisches Vorhaben, kein wirtschaftliches Projekt.

Was die Aktion in Frankreich für den deutschsprachigen Raum zeigt

Auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz wächst die Zahl der Initiativen, die ältere Legehennen vermitteln. Vereine kooperieren mit landwirtschaftlichen Betrieben, veröffentlichen Abholtermine für „ausgestallte“ Tiere und informieren darüber, wie sich künftige Halter vorbereiten können.

Die Aktion in der Oise verdeutlicht das Potenzial solcher Vermittlungen: Tausende Hühner, die sonst in der Industrie verschwinden würden, ziehen stattdessen in Familiengärten ein. Wer selbst einen solchen Schritt erwägt, sollte sich in der eigenen Region umsehen – oft gibt es dort bereits ähnliche Angebote.

Ein einzelnes Huhn verändert die Agrarindustrie zwar nicht. Für das jeweilige Tier ist der Unterschied dennoch enorm: Statt auf dem Förderband eines Schlachthofs zu enden, steht es auf Gras vor einem kleinen Holzstall. Für viele Hühnerfreunde ist das Anlass genug, sich ernsthaft zu überlegen, ob im eigenen Garten noch Platz für einige gackernde Mitbewohner wäre.

Gerade beliebt

Matthias Nordhoff

Matthias Nordhoff ist Gastronomiefachberater mit langjähriger Erfahrung in der deutschen Imbiss- und Streetfood-Branche. Für Imbiss Nordmann beschäftigt er sich mit regionalen Rezepten, nachhaltigem Wareneinkauf und der Entwicklung moderner Klassiker aus der norddeutschen Küche.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen